Beschneidung, Frau Dr. Luc Jochimsen, Die Linke.


luc jochimsen

Offener Brief an Luc Jochimsen von den Linken.

Sehr geehrte Frau Dr. Jochimsen, 13. Dezember 2012

Seit ich Sie „kenne“ liebe Frau Dr. Lukrezia Jochimsen, schätze ich Sie. (Panorama, denke an Prof. Eugen Kogon) Kritik darf aber wohl auch dann noch erlaubt sein, da ich ein anderes Bild einer Mutter habe, als jenes welches Sie zu haben scheinen, nach Ihrer Rede im Bundestag.
http://lukrezia-jochimsen.de/

Auf die Liebe meiner Mutter durfte ich bauen. Als ich geboren wurde 1942 im Bombenhagel Hamburgs, stürzte meine Mutter auf der Treppe, bei der Flucht in den Keller und fiel, mich fest umklammernd und rutschte mit mir auf blutigen Knien die Stufen hinunter, um mich nicht fallen zu lassen.

Ihre Rede zum Gesetz der Beschneidung, hat mich tief enttäuscht. Aus Ihrer Vita „zu Ihrer Person“ geht nicht hervor ob Sie Mutter sind. Vielleicht wäre das ein Schlüssel zu Ihrer Rede im Bundestag. Wie auch immer…

Eine Mutter, die ein Kind unter dem Herzen getragen hat und tatsächlich dabeistehen und zusehen kann, wenn ihr Kind, „ohne Not“, auf dem OP-Tisch angeschnallt und blutig verstümmelt wird – und nichts anderes ist es – das ist keine liebende Mutter, sondern eine entmündigte Gebärmaschine für einen abwegigen Religionsmythos.

Dass Sie geehrte Frau Jochimsen, kontroverse Meinungen mit der Godwin‘s-Law-Peitsche niedermachen, zeugt von wenig Diskussionskultur, die ich bei Ihnen leider seit kurzem vermisse. Ihr vehementer Einsatz für eine Beschneidung Minderjähriger, Schutzbefohlener, scheint mir einerseits ebenso unerträglich wie mittlerweile gleichzeitig lächerlich.

Einstein sagt ja: „Nehme alle Dinge wichtig, aber keine völlig ernst“. Das berühmte „Zungenbild“ von Einstein, (ein Jude?) hängt bei mir an der Wand. Aber in diesem Fall, der gesetzlich erlaubten Körperverletzung, bin ich nicht seiner Meinung.

Und Sie verehrte Frau Lukrezia Jochimsen, die sich für diese Entwürdigung unseres Grundgesetzes einsetzen, werden damit eine Erfüllungsgehilfin, eine Totengräberin unseres humanen Grundgesetzes, wenn Sie nicht umkehren.

„Kein Land auf der Welt verbietet Beschneidungen der Jungen aus religiösen Gründen“, sagen Sie – Das mag so sein – aber unser Grundgesetz beinhaltet auch nicht die Todesstrafe oder die Erlaubnis zu Foltern.

Sehr enttäuscht von Ihnen
Wünsche ich Ihnen trotzdem Gutes
Peter A. Bruns

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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2 Antworten zu Beschneidung, Frau Dr. Luc Jochimsen, Die Linke.

  1. Dr. Lukrezia Jochimsen, MdB schreibt:

    Sehr geehrter Herr Bruns,

    es tut mir leid, dass ich Sie enttäuscht habe und enttäuschen muss. Nein, ich bin keine „Totengräberin unseres Grundgesetzes“, wenn ich mich gerade aus Gründen der Toleranz gegen ein Verbot der Beschneidung ausspreche – auch und gerade als Mutter eines Sohnes. Ich respektiere Ihre Haltung – es wäre schön, wenn Sie dies ebenfalls könnten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Luc Jochimsen

    • Peter A. Bruns schreibt:

      Sehr geehrte Frau Luc Jochimsen,
      danken möchte ich Ihnen, mir geantwortet zu haben. Sie hoffen ich könne Ihre Haltung respektieren und dabei ringe ich schon lange mit diesem Problem. Aber bewege ich es in meinem Herzen, wenn ich an meine Mutter denke, so kann ich es nicht. Es fällt mir schwer in diesem, Ihrem Fall, diese Haltung zur Beschneidung nicht zu akzeptieren.
      Aber bitte verstehen Sie, als ich mir einige Beschneidungen ansah und dabei an meine Mutter dachte, die wirklich alles tat um ihre vier Kinder vor körperlichen Verletzungen im Kriege und danach, wie ein Löwin zu schützen, sie oft um uns weinte wenn wir uns verletzten, nein liebe Luc Jochimsen, nein, nein, nein im Gedenken an meine Mutter – ich kann es nicht respektieren. Wohin würde es denn führen? Es käme für mich einer neuerlichen Öffnung der Büchse der Pandora gleich, die wir doch 1945 glaubten geschlossen zu haben.
      Sie sind also auch Mutter. Daher gebe ich mir ja Mühe, Ihre und die Argumente von Menschen jüdischen Glaubens und Moslems zu verstehen, nur will mir nicht in den Kopf, warum unschuldigen Jungen, die noch Babys und Kinder sind, die Vorhaut abgeschnitten werden soll, entgegen unserem Grundgesetz, (das mir viel bedeutet), weil sie angeblich nur dann zur jeweiligen Religion „dazuzugehören“.
      Ich kenne nicht alle Riten dieser Welt, aber sofern sie auf Verletzung eines anderen Menschen basieren, der sich noch nicht selbst entscheiden kann, will ich sie im 21ten Jahrhundert nicht mehr akzeptieren. In England gibt es jüdische Gruppen, die es durchaus akzeptieren wenn die Jungen sich später für eine Beschneidung selbst entscheiden wollen. Kann nicht jeder Mann dem Judentum beitreten wenn er sich dafür beschneiden läßt? Die Frauen spielen ja eh im Judentum keine wirkliche Rolle. Und die Bibel? Sie ist auch nur ein Buch.
      Ist denn die rituelle, medizinische und ästhetische Begründung der Beschneidung nicht nur ein halbwahres verschämtes Märchen? Ist der wahre Grund nicht die Einwirkung auf das Wesen des Beschnittenen, ohne seine Schädeldecke zu durchbohren, wie es Nazi-Euthanasie-Ärzte praktizierten? Warum also Gottes (imaginierter) früher und strengster Befehl zur Beschneidung, Genesis 17? Alles nur zur leiblichen Bekräftigung und Bestätigung eines geistigen Bundes von Gott mit dem Volk Israel? Was soll denn das für ein Gott sein, für den Menschen bluten sollen und der nur einen Bund mit dem auserwählten Volk schließen will? Und was bedeuten den orthodoxen Juden und Moslems, die „Ungläubigen“? Nichts?
      Bitte verstehen Sie liebe Luc Jochimsen – ich respektiere und achte Sie, mehr als Sie vermuten, aber diese Ihre Haltung zur Beschneidung? Nein.
      Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Antwort und wünsche Ihnen Gutes
      Ihr Peter A. Bruns

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