Bundesministerin für Arbeit und Soziales Frau Dr. Ursula von der Leyen – ein offener Brief


Peter A. Bruns D- 25767 Osterrade den 25. September 2011
Offener Brief an
Frau Dr. Ursula von der Leyen
Bundesministerin für Arbeit und Soziales in Berlin

Liebe Ursula von der Leyen!
Der Beweggrund meines Briefes ist Ihre oft wiederholte öffentliche Aussage:
„Sie fänden es nicht gerecht, wenn ein Mensch der keine Vorsorge für sein Alter getroffen hat, ebenso wie jener, der seine Sozialbeiträge „fleißig“ eingezahlt hat, im Falle einer „Mindestrente“ diese in gleicher Höhe beziehen würde.“

Es ist fraglos Ihr Recht diese Ansicht als Ministerin für Arbeit und Soziales zu vertreten. Aber zumindest was den sozialen Aspekt betrifft, bin ich konträr anderer Meinung. Es gibt ja durchaus positive Beispiele einiger Staaten, die eine andere Auffassung davon haben, was wirklich sozial ist und was eine Gesellschaft zusammenhält und dabei noch die Wirtschaft stärkt, indem es die Kaufkraft des Volkes kräftigt. Sie kennen die Sozial und Rentenabkommen, die etwa Australien mit Deutschland getroffen haben. Australien, ein Land, in dem die Mindestrente aus dem allgemeinen Steueraufkommen bezahlt wird.
Das nur am Rande.
Was mir aber Sorgen macht an Ihrer Ansicht was die „Gerechtigkeit“ betrifft, ist die Mentalität und Ihr negatives Menschenbild, welches dahinter zu stehen scheint. Ich brauche und will hier Ihre offensichtliche, absolut, bevorzugte Stellung in unserer Volksgemeinschaft – so diese denn so bezeichnet werden kann – nicht hervorheben, weil sie ein Faktum ist.

Der Papst ist noch im Lande: Die Kirchen lassen sich vom deutschen Staat 8,5 Milliarden Kirchensteuer einziehen. Zusätzlich zahlt der Staat jedes Jahr an die Kirche 14 Milliarden Euro. Finden Sie das gerecht? Angesichts dieser Zahlen knausert Ihre Regierung um Euro und Cent Almosen für Sozialhilfeempfänger und ob es sinnvoll wäre eine Mindestrente oder einen Mindestlohn.

Sie, Frau von der Leyen sind eine, sympathische gute Erscheinung, jedenfalls erscheinen Sie mir so, die wohl nie in ihrem Leben Not, welcher Art auch immer erleiden mußte. Dafür können Sie nichts und das sollte niemand Ihnen vorwerfen. Sie sind aber darüber hinaus auch ein gebildete Ehefrau und Mutter, gar mit Herzensbildung? Das sind Verdienste, die Sie sich bestimmt selbst erarbeitet haben, die Sie aber nun, in den von Ihnen angestrebten öffentlichen Ämtern, die Sie ausüben, auch moralisch verpflichten. Nicht nur nach dem Grundgesetz – Sie kennen die entsprechenden Artikel, die ich meine.

Sie, Frau von der Leyen und ich, wir kommen aus konträren Familien und Herkunftsverhältnissen. Ich will es mal plakativ als „Ihr da oben und wir da unten“ bezeichnen. Sie wissen wie ich‘s meine. Das fängt natürlich mit der Schulbildung an. Mein Vater und meine Mutter waren aus der Arbeiterschicht und Sie eines Ministerpräsidenten Tochter. Das schlägt sich immer in der Schulbildung nieder in unserer „Klassengesellschaft“, im Sinne von „Haben oder Sein“ (Ernst Fromm)

Sie haben, das schien mir jedenfalls so, wenn ich Ihre Aussagen über „soziale Gerechtigkeit“ in der Öffentlichkeit hörte, eine bestimmt Fabel im Kopf, die ich am Schluß meines Briefes zitiere. Und wünschen möchte ich ihnen, daß Sie immer ein gutes Gewissen haben, wenn sie an Ihre Privilegien denken. Ich kann und will nicht erwarten, daß Sie ihre Meinung was die soziale Gerechtigkeit betrifft und wem sie zustehen sollte etwas ändern.

Ich jedenfalls habe mein Leben lang von meiner Hände Arbeit gelebt und so „Gott“ will, werde ich es bis zu meinem letzten Atemzug tun. Aber nie werde ich von meinem Staat Almosen annehmen, weil es Menschen mit Ihrer Einstellung sind, die es mir unmöglich machen. Mögen Sie und Ihresgleichen jenes ihnen gesetzmäßig Zustehende in Anspruch nehmen, was im Grunde des Volkes ist.

Ich aber kann nicht anders, denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans…“ – Haben Sie keine Sorge Frau Ministerin, ansonsten geht’s mir gut – den Umständen entsprechend und ich weigere mich zu jammern, so lange ich gesund bin und am Ende erledigt sich doch eh‘ alles von selbst.
„Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches acht‘ ich mir fremd.“

Im deutsch-französischen Literaturunterricht der Klassen 5 bis 10 sind die Nachbarn Deutschland und Frankreich, was interkulturelle Märchen und Fabeln betrifft in ihren Auslegungen etwas gespalten und nicht nur dort. Etwa bei der Auslegung der Fabel:

Die Grille und die Ameise Jean de La Fontaine

Die Grille trällerte und sang
Den ganzen lieben Sommer lang
Und fand sich plötzlich sehr beklommen,
als der Nordwind war gekommen:
im Haus war nicht ein Bröselein
Regenwurm und Fliegenbein
Hunger schreiend lief sie hin
Zur Ameis´, ihrer Nachbarin,
mit der Bitte, ihr zu geben
etwas Korn zum Weiterleben
nur bis nächstes Jahr:

Ich werde Euch zahlen, sprach sie gar,
noch vor Verfall, mein Grillenwort,
Hauptstock, Zinsen und so fort.
Die Ameis aber leiht nicht gern;
Sie krankt ein wenig an Knausrigkeit:
Was triebt Ihr denn zur Sommerzeit?
Fragt sie die Borgerin von fern.
Da war ich Tag und Nacht besetzt,
ich sang und hatte viel Applaus.
Gesungen habt Ihr? Ei der Daus,
wohlan, so tanzet jetzt!
Aus: Dithmar, Reinhard (Hrsg.): Fabeln, Parabeln und Gleichnisse. Beispiele didaktischer Literatur. München 1970, 146

In diesem, Ihren Sinne grüße ich Sie
liebe Ministerin
Ihr
Peter A. Bruns

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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