Streiten unterm Weihnachtsbaum


Streiten unterm Weihnachtsbaum, sich mal richtig fetzen!

Streiten, dispute, – oder streiten muss sein, – Streiten verbindet.

Gestritten wird überall, gerade zu den Festtagen: in der Ehe mit dem Partner, in der Familie mit den Kindern, im Bekanntenkreis mit Freunden und im Beruf mit Kollegen. Überall dort, wo es unterschiedliche Meinungen und Haltungen gibt, wird diskutiert und zuweilen auch heftig gestritten.

Wer hat nicht schon erlebt, dass eine zuerst kleine? wohl gemeinte? Bemerkung sich später zu einem großen Streit entwickelt hat? Ein falscher Ton, ein falsches Wort ergibt das andere; schnell wird einer ausfallend oder zieht sich zurück. Worte können durchaus wie Bomben einschlagen und den anderen vernichten. Streiten ist jedoch unvermeidbar und gehört zum Leben.

Streiten muss nicht negativ sein, sondern kann wie ein Gewitter die Luft in einer Beziehung reinigen. Doch damit ein Streit sich positiv und konstruktiv auswirken kann, sind ein paar Grundregeln der Kommunikation zu berücksichtigen – und es ist auch ein gewisses Maß an Streit-? Kultur? notwendig.

Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln.
„Ich-Botschaften“ statt „Du-Botschaften“ verwenden.
„Du-Botschaft“: Müssen Sie eigentlich jedes Wochenende grillen?
„Ich-Botschaft“: Ich will am Wochenende meine Terasse genießen, jedoch trägt der Wind immer den Grillgeruch zu mir.

Zwischen Positionen und Bedürfnissen unterscheiden.
Wir alle haben Bedürfnisse nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Wertschätzung, usw. Aus diesen Bedürfnissen heraus versteifen wir uns auf Positionen, die oft nicht direkt etwas mit dem Konflikt zu tun haben.
Das Trennen von Bedürfnissen und Positionen, auch das Fragen nach lange zurückliegenden Erfahrungen und Kränkungen kann zur Klärung beitragen.

Nach neuen Lösungsmöglichkeiten suchen.
Es gibt nicht nur EINE Lösung für einen Konflikt. Bei einem „Brainstorming“ alle Lösungsideen unbewertet zulassen, hilft oft zu ungeahnten Möglichkeiten.

Die Entscheidung aufgrund objektiver Kriterien festlegen.
Legt man der Entscheitungsfindung übereinstimmende Maßstäbe zugrunde (nicht nur den Willen des Lauteren, Stureren, …), lassen sich faire Lösungen finden bei denen Keiner verliert.

Das sind zwei Herausforderungen, die eigentlich getrennt voneinander behandel werden müssen. Ich möchte hier erst einmal auf den ersten Teil aufmerksam mache:

Streiten muss sein, und ich sage: „Streiten muss sein, wenn streiten sein muss.“ Ich will ihnen auch sagen, dass ich kein Streithammel bin. Ich bin nicht für streiten, aber solange wir in der Bundesrepublik, zumindest mal hier bei uns, nicht alle erleuchtet sind, gibt es keinen anderen Weg. Dalai Lama muss nicht mehr streiten, der macht das anders und viele andere auch. Wir haben diesen Weg noch vor uns. Wir müssen streiten, und zwar ganz egal ob als kraftvolle Willensäußerung in einer fairen Auseinandersetzung, oder als emotional unkontrollierten Ausbruch bei miesen Machtspielen und unechten Hilferufen und alles was es sonst noch gibt. In beiden Fällen streiten wir, -fair oder unfair. Das ist unsere Wirklichkeit und in beiden Fällen ist streiten angesagt, wie sonst soll es gehen, weil sonst müssen wir ja viel zu viel runterschlucken. Ich möchte, mit dem, was ich ihnen jetzt zeige, auf einen Punkt kommen. Wir kennen

das alle und ich erzähle auch nichts neues. Nur vielleicht ein bisschen anders. Warum streiten wir? Unser ganzes Leben ist Problemelösen. Wir verhalten uns so, als wollen wir nur Probleme lösen. Ich will Ihnen das sagen. Das eigentliche Problem sind die Gefühle beim Streiten. Warum also ist streiten mit echten Gefühlen in unserer Gesellschaft ein Tabu? Was uns beim streiten schwer fällt ist der Umgang mit den sogenannten unangenehmen aber sehr natürlichen echten Gefühlen. Wir wollen zwar alle ins Paradies, da ist die Liebe, da ist die Freude aber was machen wir mit unserer Angst, Wut und Schmerz? Diese Gefühle wollen wir nicht. Wir haben irgendwann in unserer Frühgeschichte angefangen unsere Emotionen zu trennen in gute Gefühle und schlechte Gefühle. Ja. Sie sind unangenehm!

Ja, Angst ist nicht einfach, Schmerz ist nicht einfach und Wut unschädlich auszudrücken haben wir noch gar nicht richtig gelernt. Und dabei haben wir den ganzen Satz von 5 Basisgefühlen dauernd bei uns .Ich möchte sie alle bitten hier jetzt mit zu machen. Es ist so einfach, die Kinästhetische Psychologie zeigt es uns. Wir haben alle Gefühle dauernd vor uns an den Händen! Sogar einen doppelten Satz davon. Nehmen sie doch mal den Zeigefinger hoch. Es gibt nur fünf Basisgefühle und eins der wichtigsten ist der Zeigefinger. Der zeigt nach oben und der zeigt wo es langt geht und zwar in die Freude, das ist das erste Gefühl das wir brauchen. Wenn wir diese Freude nicht genügend haben werden wir krank, das wissen wir. Die Freude sehen wir bei den gedopten Radfahrern wenn sie bei der Tour de France über die Ziellinie gehen. Oder die Torschützen wenn sie ein Tor geschossen haben, baaah. Immer ist das Zeichen der Zeigefinger, der steht für die Freude. Es gibt nur noch einen zweiten paradiesischen Bereich: Das ist die Liebe. Nehmen sie mal den Daumen und zeigen sie mal den Daumen links und rechts den Nachbarn. Augenkontakt und den Daumen heben. Zeigen wir den Daumen nach oben, dann heißt das ich bin dir nah, ich bin dir gut, zwischen uns ist es okay. Im besten Falle sogar Sympathie und Liebe. Die Freude und die Liebe das sind unsere liebsten Basisgefühle, damit kommen wir ins Paradies. Na ja, vielleicht.

Doch die Vorsehung hat uns für schwierige Situationen noch was lebenswichtiges mitgegeben. Wir haben für den Notfall von der Natur sogar drei Basisgefühle bekommen.

Heben sie mal den Mittelfinger und zeigen ihn jemanden, ha, da gibt es Zoff, da ist Ärger angesagt, das ist unser Basisgefühl Wut. Beim nächsten Basisgefühl bei der Angst (kleiner Finger) komme ich, wenn wir faire Streitrituale zeigen, dazu nehmen wir immer den kleinen Finger, am Abschluss von einem konstruktiven Streit. „Können wir uns wieder vertragen?“

Danach geben wir uns hier mal zuerst nur die Spitze des kleinen Fingers. Aber vorsichtig. Mit Bedenken. Die Männer sprechen ja nie von Angst, die sprechen ja immer nur von Bedenken. So, das ist die Angst, die ist da mit dem kleinen Finger, die haben wir extra mitgekriegt, die ist wunderbar. Den sie schützt uns. Und es gibt noch einen letzten emotionalen Energiekreis, dafür haben wir den Ringfinger. Guck mal, „ei guggemol“, da ist sogar noch ein Ring drauf. Im Moment ist da ganz viel Liebe zu sehen. Versuchen sie mal den Ringfinger zu strecken, das ist nicht so einfach. Der Schmerz. Besonders wenn die Liebe mit einem Menschen zu Ende geht. Wir haben die fünf Basisgefühle immer vor uns und es ist ganz einfach. Doch irgendwann in unserer geschichte, haben wir die unteren Drei abgetrennt und zu ihnen negative Gefühle entwickelt. Doch das sind keine negativen Gefühle. Sie sind notwendig und okay. Und wir lernen im Fair-Streit, umzulernen. Ärger ist okay, meine Wut ist okay, mein Schmerz ist okay, egal wie wir das benennen.Und jetzt komme ich zu den 3 Schritten des fairen Streitens. Der erste Schritt ist die Affektabfuhr und das ist der notwendige Weg über unsere Angst, über unseren Ärger und über unsere Wut, was anderes geht nicht. Dafür haben wir unsere Gefühle. Erst der zweite Schritt ist beim fairen streiten die Problemlösung. In unserer Gesellschaft wird jedoch gestritten auf dem Prinzip des Anpassers, Motzers, Nicht-streiters oder Verletzers. Diese Typen streiten auf einer ganz anderen Gefühlsebene und zwar auf der Ebene der Ersatzgefühle. Die Transaktionsanalyse bezeichnet diese Emotion als Ersatzgefühle, wenn wir die echten Gefühle nicht erleben durften, abgucken durften, man sagte auch sekundäre Gefühle dazu. 80 – 90 % der Menschen in unserer Gesellschaft streiten auf Grund dieser sekundären emotionalen Grundlage. Anstatt Wut wird hier Groll ausgedrückt. Und an Stelle von Schmerz wird nur gejammert. Wir nennen das in der Psychologie, Wehleidigkeit. Dieses unechte Gefühl sehen wir häufig anstelle von Wut. Der Groll dagegen kaschiert die Unfähigkeit zum Schmerz.

Was passiert im Fair-Streit? Im Fair-Streit versuche ich durch Rituale und Übungen das zu korrigieren, dass wir langsam mit echten Gefühlen mit Angst, Wut und Schmerz leben lernen Fair-Streit-Rituale: Faire Konfrontation gelingt am besten, wenn wir unsere Wut, die Angst und den Schmerz wirklich fühlen und mutig miteinander ausdrücken, – ohne uns selbst oder den Gegenüber zu verletzen. Das mag für Ungeübte zunächst schwer sein, doch gibt es Rituale und Übungen die auch Nichtstreiter und Streitsüchtige zu fairen Streitern werden lassen; bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Nur eines bleibt zu tun: Ausprobieren und Anwenden. Streiten eben – sich auch mal fetzen, wie es neudeutsch heißt.
Schauen sie sich an, wie sich zwei Bundeskanzler fetzen – seien wir kleinen Bürger also nicht so krämerhaft, und wehleidig wenn wir uns streiten.

Karlheinz Moosig hat mich bei diesem Artikel sehr inspiriert

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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