Berufsarmee. Blog-Kanzlers-Ansicht


DIE ZEIT 19. August 2010 Nr. 34 Artikel Titelseite: „Abtreten, bitte!“ von Josef Joffe.

Berufsarmee. Blog-Kanzlers-Ansicht

Lieber Herr Josef Joffe!

Es wird langsam Zeit, dass sich, im Gegensatz zur Meinung des einstigen CSU-Innen­ministers Hermann Höcherl (1963) die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, „das Grundgesetz täglich unter den Arm klemmen“.

Keine bundesdeutsche Regierung konnte je und kann auch heute nicht, unsere Bundeswehr in den Krieg schicken. Auch wenn Herr von und zu Guttenberg Out-Of-Area-Konflikte glaubt so bezeichnen zu können, so decken sich seine Aussagen nicht mit unserem Grundgesetz (Art. 115a Verteidigungsfall) was Kriegseinsätze betrifft. Da mag ein Verteidigungsminister a.D. Struck noch so oft den „Hindukusch als deutsche Staatsgrenze ins Feld führen“.

„Wehrpflichtige in die Schlacht zu schicken wäre heute geradezu kriminell“, sagen Sie Herr Joffe, aber abgesehen davon, das es immer kriminell war (laut Tucholsky) und ist, Menschen in eine Schlacht zu schicken: Wurden und werden dazu hierzulande nur Freiwillige herangezogen und das wissen Sie auch.

Diesbezüglich über den Sinn von „Freiwilligkeit“ (Prinzen: „Ich wär so gerne Millio…„Militär“) zu argumentieren, ist ein weites Feld, denn diese „Freiwilligkeit“ (siehe Arbeitslose in der US-Armee) spricht für sich.

Mit dem Begriff „Bürger in Uniform“ wuchs ich auf, wurde gemustert und es war für mich eine jener positiven Vorstellungen, die ich von der Bundesrepublik hatte und habe. Ich wurde trotzdem kein Soldat, denn ich nutzte das GG mein (Recht auf Freizügigkeit GG Art. 11) und wanderte nach Australien aus.

Viele Änderungen im Grundgesetz haben seit 1949 unserer Republik geschadet. (Notstandsgesetze etwa) Man hätte besser „die Finger davon gelassen“, wie der Kabarettist Jochen Malmsheimer mit dem „Wurstbrot“, in der TV-Sendung „Neues aus der Anstalt“ treffend persifliert hat.

Der „Bürger in Uniform“ wird in einer Berufsarmee eben nicht „weiterleben“ Herr Joffe, nur weil Sie es glauben: „sechzig Jahre mustergültige demokratische Entwicklung; würden schon dafür sorgen ein Ethos, das dem von Polizei (Daschner vielleicht?) und Feuerwehr (als Brandstifter?) entspricht.“

Die blutigsten  Kriege der Neuzeit wurden von „Volksheeren“ durchgeführt, sagen Sie? Wissen Sie es wirklich nicht besser? Sie gehen gar zurück bis Napoleon und erwähnen die deutsche Wehrmacht, allerdings wohlweislich verklausuliert („die beiden Weltkriege“, sic) Sie wissen, was unter Kaiser Wilhelm II und Adolf-Nazi mit Wehrdienstverweigerern geschah?!

Heute haben wir ein Recht auf Wehrdienstverweigerung und wenn man das hat, kann man dem auch gesetzlich entsprechen, wenn der „Gezogene“ dieses in Anspruch nehmen will. Außerdem haben wir die gesetzlichen Kriterien der „Wehrtauglichkeit“, die zur verfeinerten Anwendung kommen könnten, wenn man unsere Bundeswehr verkleinern will. „Klein und fein“ wie sie andeuten.

„Das Kind aber mit dem Bade ausschütten“ halte ich – was die Abschaffung der Wehrpflicht meiner Ansicht nach wäre – für absolut schädlich für unsere Demokratie. Da ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Sie verniedlichen die Gefahr die unserer Republik drohen würde, durch einen „Staat im Staate“; indem Sie vom „Immunsystem, sprechen, das Weimar nie hatte“. Denn auch weil es in Weimar ähnlich „gläubige“ Eliten wie heute gab, konnte sich ein Staat im Staate entwickeln, gab es die Brigade Ehrhardt und den Kapp-Lüttwitz-Putsch.

„Ein Spiegel der Gesellschaft“ ist die Bundeswehr meiner Meinung nach, im gewissen Sinne sehr wohl geworden. Sie finden in ihr Radikale und Demokraten, Hauptschüler als auch Abiturienten, Söhne und Töchter reicher und armer Eltern, die sich quasi, mit unserem Wehrbeauftragten an ihrer Seite, „gegenseitig in Schach halten“.

Sie meinen wirklich es würde sich daran nichts ändern? Was war mit Oberst Klein? Was mit Kiesling? Was mit Strauß? Schauen Sie auf England und die Falklands, oder die USA in Vietnam und im Irak mit der famosen  Söldner-Verleih-Firma Blackwater (welch treffender Name) um nur in etwa anzudeuten wohin uns eine deutsche Berufsarmee führen könnte.

Dann bringen Sie das Argument „Wehrgerechtigkeit“? Wollen Sie von der Bundeswehr verlangen, was es in der übrigen Republik, materiell gesehen, nicht gibt, nämlich Gerechtigkeit? Und ich wiederhole: jeder und jede kann den Wehrdienst verweigern. Aber Ihrer Meinung nach brauchen wir trotzdem eine weitere Grundgesetzänderung, nur um aus vorgeschoben finanziellen Gründen,  eine Berufsarmee zu etablieren?

Aber was Out-Of-Area-Einsätze wie Afghanistan betrifft, die Sie vielleicht „sichern“ wollen, pfiff man doch schon 1999 (Bombardierung Belgrads) auf das Grundgesetz und bis heute tut man das, weil man sich (unsere Politiker sind zumeist feige) hinter der Nato-Bündnistreue verschanzt.

Also wofür steht Ihr Plädoyer wirklich, was für Interessen stecken dahinter?

Unsere Elite in den Medien, der Politik, und in der Wirtschaft, kann weiterhin mit unserem Grundgesetz „Schindluder“ treiben, nur zu Herr Joffe, hauen Sie DIE ZEIT mit in die Kerbe. „Feste Jungs macht nur weiter so, ihr bekommt schon alles kaputt“, sang einst der Holländer Robert Long.

„Der Krug geht so lange zum Brunnen…“

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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