WYSIWYG oder: Wir Deutschen sind nicht wahltüchtig


WYSIWYG oder: Wir Deutschen sind nicht wahltüchtig.

Peter A. Bruns


Wenn wir Deutschen einkaufen, fällen wir unsere Kaufentscheidung in der Regel danach, was wir zuvor relativ genau geprüft haben. Von der Immobilie, bis zum Fair-Trade-Kaffee, gar bis zum Maggi-Brühwürfel, prüfen wir das Kleingedruckte auf uns unbekömmliche Inhaltsstoffe hin.

Doch bei zwei Kaufentscheidungen greifen wir bedenkenlos zu und werfen in unseren Warenkorb ungeprüften Schrott, und zwar bei der Wahl unserer Geldanlagen und bei der Wahl unserer Politiker und diese zwei Kaufentscheidungen fällen wir nicht zufällig in einem Atemzug, denn sie passen zusammen, wie zwei alte Latschen. Denn zwischen beiden stimmt die Chemie und wenn wir mündigen Wähler, diese, unsere Wahl getroffen haben, sind, nach unserer Ansicht, alle guten Dinge drei und wir fühlen uns auf der sicheren Seite. Doch weit gefehlt.

Die kriminelle Energie, was die finanzielle Unterstützung der Banken betrifft, die sich in den letzten Jahren, bei den Politikern in den Parlamenten unserer Republik ausgetobt hat und heute noch austobt, diese Finanzfußfessel, haben wir deutschen Wählerinnen und Wähler, uns selbst ans Bein gebunden, indem wir so gewählt haben, wie wir gewählt haben. In der großen und kleinen Politik.

WYSIWYG nennt man das Kürzel beim Programmieren, soll heißen: „What You See Is What You Get“. Also: „Was du siehst bekommst du“. Das haben wir nun, in Form einer sogenannten Regierung vor uns. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Wir Wähler sehen nicht genau genug hin, wen, oder was wir wählen, oder uns fehlt einfach der gesunde Menschenverstand.

Die Mehrheit der Menschen hat auch  „kein Bauchgefühl mehr“, zugleich aber auch keinen Verstand, wo doch beide zur Abwägung von Entscheidungen wichtig sind. Doch wir lassen uns blenden, von Blendern und wie jüngst geschehen: von Blenderinnen.

Wenn ich wir, sage, so nehme ich mich da nicht aus. Als ich Gerhard Schröder 2005 wieder wählte, habe ich mich auf ihn, und auf sein Wort verlassen, ohne noch mal „die Packung auf ihren Inhalt zu prüfen“, das war mein Irrtum, denn der Inhalt war verändert und zur Mogelpackung verkommen. Mein Genosse Schröder wurde zum Steigbügelhalter von Angela und auf der anderen Seite des Pferdes stand Müntefering um Ross und Reiterin im Zaum zu halten. Dann bekam das Pferd (statt Angela) einen Klaps auf den Achtersteven, und Angela ritt ins Kanzleramt, ihr Pferdeknecht an ihrer Seite, hielt ihr die Zügel, bis sie fest im Sattel saß.

Ich schaute verblüfft umher: was hatte ich denn da gewählt? Die CDU? Die SPD hatte doch die meisten Stimmen. Stellt die stärkste Partei laut GG nicht den Kanzler oder Kanzlerin? Ich war verwirrt.

Die CDU hatte weniger Stimmen und war doch auf die CSU angewiesen und waren die Zwei nicht zwei selbständige Parteien? Und doch gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen? Hatte man diese Doppelstrategie der WASG-Partei nicht untersagt und sie gezwungen sich zur LINKEN-Partei zu vereinigen? Galt das nicht für die Union? Und warum brachte die SPD das nicht zur Sprache? Ein Verdacht keimte bei mir auf und bei näherem hinsehen erhärtete er sich.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten? Ich konnte es nicht glauben. 2007 trat ich aus der SPD aus. Dann brach die lange schon schwelende Finanzkrise der Spekulanten offen aus. Die amerikanische Regierung ließ die Finanzfirma Lehman Brothers Holding Inc. am steifen Arm verhungern und in Deutschland wackelten die Finanzwände der Banken. Doch dann kam Superman Peer Steinbrück und stellte sich als Robin Hood für die deutschen Banken, als nützlicher Vasall zur Verfügung und pumpte unser Volksvermögen in die perfiden Geschäfte der deutschen Banken.

Geld zählen konnte Peer Steinbrück immer gut, als Nachfahre eines der Gründer der Deutschen Bank, seines Urgroßvaters, er entschied mit Angela, wie er entschied, natürlich nicht von ungefähr. Denn nun war die Fußfessel am Bein des deutschen Michels endlich angebracht.

Was das Gebabbel um die Globalisierung nicht vermochte, um Kritiker des Sozialabbaus im Volk mundtot zu machen, wurde nun mit Sparzwang und Banken-Finanzkrise perfekt gemacht. Endlich hatte der Geldadel es geschafft, das Volk zu enteignen, das heißt: nur uns kleinen Leute.

Unser Volksvermögen wurde sang und klanglos dem Geldadel überschrieben. Und wir zahlen noch die Zinsen für unser gestohlenes Vermögen, weil wir als Staat, uns Kredite vom Geldadel aufnehmen müssen, das jener uns zuvor geklaut hat. Was für eine tolle Idee der oberen Zehntausend und das Volk?

Apropos: In Deutschland beherbergen wir 11 Millionen Millionäre, aber nur 8 Millionen Gewerkschaftsmitglieder – das darf sich ein jeder auf der Zunge zergehen lassen.

Was bei alledem bemerkenswert ist, und damit komme ich zum Titel dieses Artikels zurück: wir haben diese Bande gewählt und wiedergewählt, und zuletzt noch zusätzlich mit einer FDP am Hals, die ihres Namens nicht würdig ist. (wo sind Persönlichkeiten wie Frau Hamm-Brücher?)

FDP die Totengräber unserer Republik und Demokratie.

Was können wir in Zukunft dagegen tun? Wenig, aber doch etwas.

Ich sage es mal so:

Was für uns im privaten Leben gilt (drum‘ prüfe wer sich „ewig“ bindet) sollten wir möglichst auf das öffentliche Leben übertragen. Wählen wir nicht immer wieder den Bock zum Gärtner. Geben wir im Privatleben denn jedem Ar…  die Hand? Nein, tun wir nicht, so wir denn unsere fünf Sinne alle beisammen haben. Warum tun wir das aber an der Wahlurne? Sind wir Lemminge unser Parteien? Der Medien?

Wir sollten schon in der Kommunalpolitik genau hinsehen, und recherchieren, wen wir in den Gemeinderat wählen wollen. Da fängt es an, im Kleinen. Und wie Hesse sagte: „Das nicht wichtig nehmen der kleinen Dinge, ist der Niedergang aller großen“. Und deshalb sollten wir auf Delegiertenversammlungen der Parteien, unserem Gefühl und Verstand folgen und keinen Empfehlungen von Parteiführern.

Ab 18 Jahren sind wir wahlberechtigt. In Australien muss der Bürger 100 A-Dollar Strafe zahlen, wenn er nicht wählen geht. Ob das weise ist, weiß ich nicht, denn Wahlenthaltung gehört für mich zur freien Wahl. Warum, wie und ob ich mich der Wahl enthalte, bestimme ich selbst, denn ich will mich nicht immer nur zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen, oder dem sogenannten „kleinerem Übel“, und deshalb müssen wir die Menschen, an die wir unsere Stimmen delegieren, auch mit dem Herzen ansehen, „denn nur damit sieht man gut“.

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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