Kapitalistenbüttel und Herrenreiter Olaf Henkel


Mit Kanonen schießen nur feige, aufgeregte Menschen auf Spatzen. Der ehemalige BDI Präsident Olaf Henkel, kühlt aber gerade daran, vorzugsweise sein Mütchen. Er läuft hyperventilierend rot an, wenn die Fernsehkameras surren und verdammt alles, was vom Arbeiter, an sozialen Fortschritt, über Generationen mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpft wurde, in Bausch und Bogen.

Dabei sind, verglichen mit dem weltweit, vagabundierendem Kapital, die Arbeiter doch nur Spatzen und auch aufgrund, der an Bedeutung schrumpfenden Gewerkschaften, nicht einmal mehr frech, sondern handzahm, um nicht zu sagen: servil.

Der Mann aus der Rothenbaumchaussee, eine Strasse des etwas besseren Stadtteils von Hamburg, wird lange schon von Angela mißtrauisch beäugt, denn er hat den Kontakt zur Realität des Arbeiters, scheinbar völlig verloren. Gleichzeitig hat er belächelnswerte Jungenträume, von einer „Weltregierung“, die ihn wohl ideell, maßgeblich beflügelt, nur eben im Widerspruch zu seiner vehementen Art, soziale Privilegien der Arbeiter abbauen zu wollen. Wobei ich betonen möchte, dass ich den Begriff des Arbeiters, der Arbeit an sich, sehr weit fasse. Ich möchte sagen: er umfasst für mich alle abhängig Beschäftigten, unterhalb der Hackordnung, leitender Angestellter und Manager. Letztere sorgen ja, wie man immer wieder erfährt, außerordentlich gut für sich selber und immer zu Lasten der Arbeiter, was ich unumwunden Ausbeutung nenne und Vernichtung von Arbeitsplätzen, aus Unfähigkeit, die aber trotz Inkompetenz, jenen feinen Herren, stets maßlos vergütet wird, mit Millionenabfindungen.

Herr Henkel vermittelt in seinen öffentlichen Auftritten, als Protagonist, oder besser: Pontifex, der Unternehmer und spekulierenden Geldelite, unverfroren den Eindruck, als gäbe es die Arbeiter, die Arbeit an sich, gar nicht mehr. In seiner Vorstellung hat sich ein Bild verfestigt, welches ihm eine Arbeitswelt vorgaukelt, die sich in Vorzeigeproduktionswelten abspielt, wie sie Erich Honecker selig, sich als potemkinsche Dörfer hat bauen lassen, wenn er sich durch sein marodes, scheinsozialistisches Industriereich, hat chauffieren lassen.

Doch es gibt sie ja noch die sogenannte Welt der Arbeit, trotz aller Modernisierung und Computer. Von der überlasteten Frau an der Supermarktkasse, bis hin zu dem Schlosser oder Schweißer, der sich in irgendwelche enge Gewerken zwängen muss, um zu schweißen und zu schleifen, wo Herren wie Henkel wohl schnell in Panik geraten würden. Es herrscht längst nicht überall im Bauwesen und Produktion, leichte Arbeit durch die Automatik und Computer. Schon gar nicht global gesehen, wenn man an Armut und Kinderarbeit anderswo denkt. Es wurde die Arbeit wohl in vielen Bereichen erleichtert und beschleunigt, was finanziell aber wiederum immer nur den Unternehmern zu Gute kam, aber es gibt sie durchaus noch, die schwere Drecksarbeit. Auch jene im Büro natürlich. Ausnahmen bestimmen hier kaum die Regel.

 Herren wie Henkel, lassen in der Öffentlichkeit auch keine Gelegenheit ungenutzt, die USA zu loben, was deren Wirtschaft und Sozialsystem betrifft. Es wird die Flexibilität der dortigen Arbeiter in höchsten Tönen gelobt und zu gerne möchte man dieses fadenscheinige System den Deutschen überstülpen. Das dort ein Machtwort der Regierung einen Streik beenden kann, wie jüngst bei den dortigen Hafenarbeitern, versetzt die hiesige Geldaristokratie in Verzückung. Davon träumt jene Geldelite und all jene Habenichtse, die ihnen nacheifern, in der dümmlichen Hoffnung eines Tages ihre finanzielle Höhe erreichen zu können.

Mal halten jene Herren wie Henkel, den Deutschen vor, sie sollten effizient wie die Japaner sein, wo Unterkünfte für Arbeiter in Maschendrahtkäfigen keine Ausnahmen sind (Was ist den heute mit den Japanern?) und nun sind es schon wieder die USA, deren System uns als leuchtendes Vorbild hingestellt wird. Wer einige Freunde in den USA hat, sieht dagegen vieles realer. Ich habe Freunde und Verwandte dort. Tarifliche Vereinbarungen sind dort eine Farce.

Flächentarifverträge, die bisher den sozialen Frieden in Deutschland gesichert haben verdammen Herren wie Henkel. Jeder Unternehmer soll Löhne bezahlen dürfen, die er meint nur bezahlen zu können. Der freie Markt für Lohnsklaven wäre damit eröffnet. Nach unten sind keine Grenzen, bei der globalen Bevölkerungsexplosion. Das Einstellen und Rausschmeißen, wie in den USA übliche Praxis, hielte Einzug in Deutschland und würde eine wichtige Säule im System unserer Stabilität herausbrechen und in der Folge sukzessiv unseren sozialen Konsens, zwischen Reichen und Habenichtsen einbrechen lassen, mit allen Folgen, die gar nicht abzusehen sind. Die USA als Vorbild zu proklamieren, in Deutschland, in ganz Europa gar, ist Schwachsinn. Es ist schon verheerend genug, dass Radio und Fernsehen instinktlos, verdummend, amerikanisiert wurde und wird. Außer in Teilen der öffentlich Rechtlichen Anstalten.

Die USA sind die USA. Jeder Staat nach seiner Facon, wenn er die Rechte anderer nicht tangiert. Das Volk der USA, Repräsentantenhaus und Senat, die Medien, müssen sich mit ihrer gelebten Ethik und politischen Moral allein auseinandersetzen. Die UNO, die dabei helfen könnte,  bedeutet ihnen ja nur wenig. Außer der Sicherheitsrat, aus durchsichtigen Gründen. Die Bevölkerung der USA muss selber wissen, ob sie die Todesstrafe den einzelnen Staaten überlassen wollen und ob sie ihr Waffengesetz, dem Tausende Kinder und Erwachsene, jährlich in den USA zum Opfer fallen, beibehalten wollen. Das Volk der USA muss selber wissen, ob sie den gordischen Knoten weiterhin mit dem Schwert durchschlagen wollen, oder ob sie sich vielleicht nicht besser fühlen würden, wenn sie versuchten, ihn geistig aufzudröseln.

Wenn unser damaliger Bundeskanzler Schröder, in Bezug auf den drohenden Krieg gegen den Irak, davon sprach, sich an Abenteurertum nicht beteiligen zu wollen, so ist das, eines vom Krieg geplagten, europäischen, sozialdemokratischen Staatsmannes, mehr als angemessen. Herren wie Henkel sehen das natürlich anders. Das liegt in der Natur des Krieges, der ja für gewisse Geldeliten ein wahrer Segen ist und immer schon war. Was aber haben diese Herren wie Henkel überhaupt für eine Vorstellung, was es heißt Produktionsstätten wieder, oder neu aufzubauen? Können sie sich überhaupt ein Bild davon machen was es für den kleinen Habenichts, Maurer, Schlosser usw. bedeutet, unter Termindruck und Lohndumping hart zu arbeiten am Bau und in der Produktion? Geschweige denn, jenen die direkt vom Krieg betroffen wurden. Ich wünschte mir, dass die Militärs und die Kriegstreiber, einmal selber mit der Maurerkelle und dem Hammer in der Hand, das von ihnen zerschossene Land, wieder aufbauen müssten. Denn es gibt diese perverse Einstellung, gewisser oberflächlicher Menschen, ob reich oder arm, die meinen dass Zerstörung durch Krieg, neue Arbeitsplätze schafft. Aber in diesen abstrusen geistigen Zustand möchte ich mich nicht hineinversetzen. Dazu bin ich nicht kompetent. Dafür sind Psychotherapeuten zuständig.

Der Traum also, des Olaf Henkel, von einer Weltregierung, ist unter Umständen kein schlechter Traum. Aber vermischt mit seinen Vorstellungen von Arbeit und jenen, die die Arbeit bei Wind und Wetter am Bau, oder sonst wo, ausführen müssen, wird sein Jungentraum für die Habenichtse dieser Welt zum Albtraum.

Das globale Zusammenwachsen unserer Welt, wird kommen. Was aber wird es bedeuten? So weitermachen wie bisher? Also die freie Marktwirtschaft nur von jenen bestimmen lassen, denen die Produktionsmittel gehören? Es gibt in der Schweiz schon seit langem Produktionsstätten für Uhren, die mit einer handvoll Personal auskommen und wo der wichtigste Posten der Pförtner ist. Wenn die menschenleeren Produktionsstätten sich vermehren und in den Supermärkten Tunnelkassen die Verkäuferrinnen und Verkäufer ersetzen, wo bleiben dann die Habenichtse und vor allem wie werden sie darauf reagieren? Mit dumpfer Gewalt wahrscheinlich. Doch mit Gewalt, egal wer sie ausübt, ob durch den Staat, Revolution oder als Folge von Chaos, wenn all unsere menschlichen Werte sich ins Gegenteil verkehren, wird es immer nur Rückschritt geben, was den humanen Fortschritt der Menschheit betrifft.

Was also tun? Wir müssen die vorhandene Arbeit, ohne empfindliche, finanzielle Verluste für die Lohnabhängigen teilen. Das geht aber nur mit der klugen Einsicht jener, denen die Produktionsstätten gehören. Darüber sollten Politiker weltweit, vielleicht unter Schirmherrschaft der UNO, Abkommen vorbereiten. Außerdem sollten Herren wie Olaf Henkel, an jene Artgenossen appellieren deren Sorge nicht die Habenichtse sind, sondern ihr Privateigentum, ihre Yachten und Anwesen an der Cote Azur und sonst wo, was ja nicht wie Manna vom Himmel gefallen ist. Die Einsicht muss unter den Menschen global Platz greifen, dass Reichtum, der nicht durch eigene Arbeit erworben ist (Was ich unter Arbeit verstehe sagte ich schon.) Diebstahl ist. Diebstahl aus persönlicher Unzulänglichkeit, aus mangelnder Bildung. Jener des Herzens allemal.

Wie der, oder die Einzelne, sich mit dieser Ausbeutung fremder Arbeitsleistung und der Einsicht in diese unmenschliche Lebensweise, auseinandersetzt, bleibt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr, wie der Volksmund treffend sagt. Ohne humane Bildung können jene Menschen, die auf Kosten anderer leben, ja auch gar kein schlechtes Gewissen haben. Sie leben ja im Grunde nicht. Sie sind Schatten ihrer selbst. Sie wissen nicht was es heißt, jene Dinge zu bauen, zu erarbeiten, die sie so leichtfertig verbrauchen. Das Leben der Reichen ist Talmi, bestenfalls  eine Fatahmorgana. Menschlich schaden sie nicht nur der Allgemeinheit, sondern sich selbst. Sie sind wirklich „arme Teufel“, und verderben im Grunde die Welt.

Man muss das biblische Gleichnis, vom Kamel und Nadelöhr, nicht bemühen. Denn Kamele haben keine Ahnung wie eine Nadel hergestellt wird, geschweige denn, das dazugehörige Nadelöhr. Unser friedliches, menschliche, globale Zusammenleben, wird in Zukunft davon abhängen, ob die Besitzer der Produktionsmittel, weltweit, in der Lage sein werden, den von ihren Arbeitern erarbeiteten Gewinn zu teilen. Global gesehen. Nicht weil sie dazu gezwungen sind, sondern aus Einsicht in das, was den Zusammenhalt der Welt ausmacht, was die Welt im Innersten zusammenhält: Die Liebe, die Nächstenliebe. Die Erkenntnis zu wissen, was dein und mein bedeutet. Zu Haben oder zu Sein. Soll und Haben müssen deckungsgleich sein zwischen den Ansprüchen, die wir Menschen, einer vom anderen erwarten. Ich proklamiere hier nicht die Gleichheit schlechthin. Das wäre gegen die menschliche Natur. Was ich nur bewusst machen möchte, ist; dass ich nicht ohne Not auf Kosten meiner Mitmenschen leben sollte. Ob als Sozialhilfeempfänger, oder Superreicher.

Die Bilanz, unsere Lebensbilanz, die Antwort auf die Frage: War es ein lebenswertes Leben auf Erden, wo ja alles drauf hinausläuft, kann nicht nur den Religionen überlassen bleiben. Sie hängt davon ab ob wir dumm und selbstsüchtig waren, oder mutig, frei und offenherzig. Diese Umstände sind eng an die Bildung gebunden. Bildung ohne religiöse, oder sonstige Verblendung. Bildung die schon in der frühen Kindheit beginnen muss, wenn sie ein positives, geistiges Fundament bilden soll, worauf sich spätere, persönliche Wertvorstellungen stützen können, die der sozialen Gemeinschaft förderlich sind. Die Menschen sollten nicht leben müssen um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Allerdings, arbeiten um freudig leben zu können. Der Mensch schafft dadurch viel mehr. Den Lohnabhängigen die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust nehmen, statt dass Schüren der angst, vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, was kontraproduktiv ist. Dazu sollten gutsituierte Herren wie Olaf Henkel beitragen.

Doch die Dinge sind nicht so. Der Geist, von dem ich Zeilen zuvor sprach, weht wohin er will: Nur am Geld bleibt er kleben. Unsere Hoffnung bleibt also „Hänschen“. Auf das Hänschen nicht zum „reichen Herren“ mutiert, sondern zum klugen Mann. Bis dahin sei uns das Schicksal gnädig, auf das wir in der humanen Entwicklung nicht zurückfallen. Meine Hoffnung bleibt die jeweilige junge Generation.

Habe ich den wichtigen Part, den die Weiblichkeit dabei spielt, vergessen? Nein, durchaus nicht, denn wie immer ist sie den Männern weit voraus. Ihr fehlt nur die Macht, die sie Herren wie Henkel aus der Hand nehmen sollte und wohl auch irgendwann wird. Für eine humanere, fortschrittlicher Welt. Darauf vertraue ich.

Der Forscher Richard Dawkins sagt: „Leben, besteht schlicht aus Bytes und Bytes digitaler Information.“ Und: „Nur gute Meme (Ideen, Vorstellungen) entwickeln sich weiter und setzen sich durch.“ Daran glaube ich. Nicht an Herren wie Henkel.

Peter A. Bruns – Osterrade

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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2 Antworten zu Kapitalistenbüttel und Herrenreiter Olaf Henkel

  1. fortylicks schreibt:

    Der Bericht ist, wie alle deine Veröffentlichungen, sehr fundiert und
    richtig. Man bekommt beim Lesen „so einen Hals“ über unsere politische
    Kaste. Darum wird bei dir aber wahrscheinlich auch so wenig kommentiert;
    zum einen bist du ein Intellektueller, da schrecken manche zurück, weil
    sie sich dir nicht ebenbürtig fühlen und sich vielleicht nicht so ausdrücken
    können, zum anderen ist man sowas von hilflos gegenüber dem Gedankengut
    unserer Politikelite, dass man fast in Schockstarre fällt. Ich habe viele deiner
    Eintragungen gelesen und
    finde sie hochinteressant und fundiert. Weisst du, da gibt es eigentlich
    nichts weiter dazu zu sagen, du bringst es ja schon auf den Punkt.
    Die meisten Kommentare erhalten natürlich Themen, die mehr so aus
    der „Bunten Mischung“ kommen, da fühlen sich die meisten Leute ange-
    sprochen. Aber ich bin sicher, lesen werden deine Kommentare einige.
    Und es gibt soviele blogs im www, da muss man erst mal darauf aufmerksam
    werden, ehe sich herumspricht, dass du einen interessanten blog hast.
    Ich schaue immer mal wieder herein und finde ihn klasse.
    Viele Grüsse forty

    • eduardbruns schreibt:

      Ja, das verstehe ich! Es ist aber schön zu hören, „dass da draußen“ viele nachdenkliche Menschen leben. Ja, natürlich gibt es auch „leichte Kost, Unterhaltung“, die aber, wenn sie fesseln soll, schwer zu schreiben ist, oder sonstwie zurecht zu basteln. In der Politik, der Kunst, Literatur oder wo auch immer, Qualität setzt sich durch. Bei Dir etwa. Es kommt eben auf den Zustand der Gedanken an, ob man „glücklich“ ist mit dem was man tut. Schön, wenn Du meinst, dass bestimmt einige meine Artikel lesen, aber schweigen. Sagt jedenfalls Marc Aurel.
      Ich schreibe demnächst auch mal was „Leichteres“. Aber Du kennst vielleicht den Spruch: „Und wenn die Gänse bis zum Meer fliegen würden, sie kämen doch nicht als Schwäne zurück!“
      Grüß Dich
      Peter

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