Einmal wie Wilfried Schmickler sein


Unheilige Allianzen, oder: Ich möchte auch einmal wie Wilfried Schmickler sein…

Von Peter A. Bruns

Oder wollen wir lieber ein Lied singen? „Ein gar garstig Lied?“ Welches Lied singen, nach der Wahl, dieses neuen wachsweichen Bundespräsidenten? Singen wie die ehemals sozialdemokratischen Genossinnen und Genossen? „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“? oder „Wann wir schreiten Seit’ an Seit“? Von beiden Liedern alle Strophen? Mon Dieu Sozialdemokratie, was soll aus Deutschland werden?

Da räsonieren sie in Talkshows, die Wohlsituierten und wissen nichts vom kleinen Mann. Menschen denen es hier an nichts materiell Notwendigem mangelt, lamentieren über Deutschland, obwohl ihnen unsere Gemeinschaft ein freies, auskömmliches Leben, mit oder ohne Arbeit bietet. Sie berufen sich auf die soziale Verpflichtung der SPD einerseits, obwohl es ihnen andererseits (deutsch) „scheißegal“ ist, was aus der SPD wird. So egal wie es ihnen war und ist, was aus den Gewerkschaften wird. So egal wie es ihnen 1929 auch war. Es lamentiert eine ignorante Volksschicht, bei denen nur der Mitnahmeeffekt gilt. Wozu in der Gewerkschaft mitkämpfen, die Hauptsache ich bekomme auch die Lohnerhöhung. Es ist das Schmarotzerprinzip aus Dummheit. Wie Einstein schon feststellte: Es gibt keine bösen Menschen, sondern nur Dumme.

Ich  will es deutlich aussprechen: jene Asozialen, die selbst keinen Finger rühren, für die Gesellschaft, jammern besonders impertinent, wenn Sozialdemokraten die Regierung bilden. „Sozis“, die sie hinter vorgehaltener Hand „rote Horden“ nennen. Sie taten es in Weimar, in Bonn und nun wieder in Berlin. Diese asoziale Haute volee, Haute finance, Haut gout, ist ungenießbar: „Sie beißen die Hände, die sie füttern.“ Oder „Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.“ Sie schwärmen von der „guten alten Zeit“, oder der Leibeigenschaft. Sie zeigen uns „Sozis“, das Siegeszeichen. Womit sie sagen wollen: Diese SPD-Regierung muss weg. Basta. Da bilden sich perfide Allianzen, zwischen „Koofmichs“ und Arbeitslosen

Von Curry Wurst bis Chateaubriand, von Aldi-Wein bis Chateau La Fit, von Sekt bis Champagner, lassen sie es sich gut gehen, jene Asozialen in Deutschland. Sie leben in ordentlichen Behausungen, Wohnungen, Häusern, bis hin zu Luxusvillen, fahren entlang der Plattenbauten, der Elbchaussee, oder am Genfer See, je nach dem, was ihnen Geburt und praller Geldbeutel nahe legen. Denn der Geist weht ja wohin er will, nur am Geld bleibt er kleben.

Jene Asozialen fahren Kleinwagen oder Luxusschlitten, oder fliegen so komfortabel, billig oder teuer, wie es ihnen ihr Tic einflüstert. Sie kleiden sich ein in Warenhäusern, die ihnen  selbst gehören, oder streben ganz einfach zu Dior und dergleichen. Sie haben entweder eine Arbeit, oder einen Termin bei einer Talkshow, die ihrem Können entspricht, oder auch nicht. Wo sie herumräsonieren über die verheerende Lage der Republik und sich zurücklehnen in ihren Fernsehshows, gutbetucht und gut bestallt und predigen Wasser und saufen Wein. Sie leben vom Arbeits­losengeld, Sozialhilfe, oder als Börsenspekulanten, Manager, Unternehmensberater oder Nichtstuer und besitzen ihr Office, über den Habenichtsen, in den Geldtürmen unseres Landes. Geistig besteht aber kein Unterschied zwischen reichen und armen Asozialen, laut Erich Kästner sind sie: „Noch immer die alten Affen.“

Sie sitzen jammernd, auf ihrem „Umsatzrückgang“, auf hohen Krediten, Kontoüberziehungen, oder leiden an dubiosen Spenden und unanständigem Vermögen, welches ihnen zur Stützung ihres verkümmerten Mensch­seins zu diensten ist. Doch sie jammern und jammern, und geben mit Krokodilstränen vor, sich um die demokratische Gesellschaft zu sorgen und bedauern doch nur sich selbst. Aber diese, unsere Gesellschaft, wäre keinen Pfifferling wert, hätte es keine Sozialisten  gegeben und zwar global. Und ich pfeife auf den Schmusekurs mit den „armen Wählern“ (schaut sie euch an die „Volksabstimmungen“ in Frankreich und Holland. Fragt nur mal das Volk ob es die Todesstrafe wieder möchte!) und einer so genannten großen Koalition, wo Arrivierte und Etablierte ihre Vorstellungen von einer Demokratie der Angepassten und Gehorsamen festschreiben wollen, ohne eine lästige Opposition. Große Koalitionen sind der Pferdefuß der parlamentarischen Demokratie. Sie laufen auf einen faschistoiden Überwachungsstaat hinaus, der nur noch vom Geldadel kontrolliert wird und wo Bild-asoziale beider Couleur nützliche Idioten sind.

Die Protagonisten unserer Gesellschaft, die dieses Ziel anstreben, sind arm dran, und sie wissen es auch. Es ist ihr selbst gewähltes Dilemma. Aber ihre dumpfe Furcht vor Veränderung – denn verändern sollen sich „die Anderen“ – ihr Zittern vor dem Verlust ihrer Bezüge, überfordert sie und verleidet ihnen ihr Wohlleben. Sie sind im Banne ihres Lebensablaufes, der sich zwischen Aldi und Plattenbau, Villa und Mercedes, oder den Bermudas und Sylt, abspielt. Sie leben nicht, sondern sie werden gelebt und das materiell nicht schlecht, von den Lohnabhängigen. Das Wort Teilen versetzt sie in Panik. Der Satz: „Alle Menschen sind im Grunde gleich“, treibt sie in die Hektik, von Börse und Finanzen, von Anleihen, Devisen, Zertifikaten und XTF-Funds. Oder aus schlechtem Gewissen zu Spenden und in die Wohltätigkeit von Armenspeisungen.

Doch was sagen die anderen Menschen? Es gibt sie, denn ich begegne ihnen täglich. Frage ich: „Wie geht’s?“ Sagen sie: „Gut, ich hungere nicht, bin gesund, wir haben keinen Krieg, ich lebe in Freiheit, eine gute Basis, um etwas zu tun, oder einfach den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen.“

Es sagt niemand, dass unsere Volkswirtschaft übersättigt ist, mit allem was wir Bruttosozialprodukt nennen. Und dass wir die vorhandene Arbeit teilen müssen. Dass unsere Produktionsmethoden ständig effizienter und schneller werden und die Konsumgüter „global“ auf den freien Markt drängen. Doch wenn alle Reserven ausgeschöpft sind, was dann? Der Mensch ist das Maß aller Dinge und die Erde ist endlich.

Mein Leben ist zum größten Teil gelebt, mit Glück und Hände Arbeit und ich konnte mein Scherflein, für die Gemeinschaft und für mich, beitragen. Die unerfüllten Jugendträume einer menschlicheren Welt, bedrängen mich nicht mehr und ich betrachte sie mit lächelnder Wehmut. Ich bin aber Sozialist (im Sinne Willy Brandts, sozialistischer Internationale) und als solcher, liegen mir junge Menschen mit Träumen am Herzen. Träume von einer Welt, in der der Mensch sein Maß erkennt. Wo er sich die Technik zu Nutze macht, um Arbeit und Gewinn daraus mit seinem Nächsten zu teilen. Wo Bildung und künstlerisches Gestalten und sportlicher Wettkampf aus Freude betrieben werden. Wo Nacktheit, Erotik und Sex, losgelöst sind von falscher, religiöser Moral und  Marktverhalten. Wo die Menschen bedacht miteinander umgehen. Wo Kinder aus Liebe gezeugt werden. Ein Staat, eine Welt, eine Erde. Wir Deutschen müssen und werden die Lektion weiterlernen, die wir mit der einzigen deutschen Revolution 1848 in Baden begonnen haben.

Neuwahlen in Deutschland? Ein Scherbengericht wollen wir abhalten. Es wäre passend für die Kanzlerkandidatin zum Altweibersommer. Drehen wir also das getürkte Glücksrad, mit Schwung und im Schwange für Kanzler oder Kanzlerin. Die reiche Mischpoke, sie, diese Elitären, wissen wofür sie stehen, und wir anderen, Aufgeklärten, reich oder arm? Wofür stehen wir?

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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