Lieber Genosse Gerhard Schröder


Das Buch soll Dezember 2010 publiziert werden. 

Geehrte, neugierige Leserinnen und Leser

Wie öde wäre unser aller Privatleben, ohne Briefe. Man denke an das Briefgeheimnis, das zu brechen, nicht nur für den Verfassungsschutz, so spannend ist. Wie sang Willy Brandt noch gleich: „auf der Mauer auf der Lauer, sitzt eine kleine Wanze…“

Und die Literatur? Was wäre sie ohne „Wanzen“ (Plagiate) und ohne Briefe? Ich schreibe, nein ich sende, natürlich auch E-Mails und SMS… und „blogge“ seit einiger Zeit auch, also bin ich. Das schon – aber denke ich auch dabei? Briefe schreiben, würde ich diese elektronische Variante, nicht nennen. Es sind „gehackte“ Zuschriften.

Wer nach langer Zeit, mal wieder mit der Hand schreibt, gar mit dem Füllfederhalter, wird wissen was ich meine. Die Hand wird ungelenk, verliert die Geschmeidigkeit, und jedes Wort fällt auseinander. Die Buchstaben verlieren ihre Bindung untereinander. Daher schreiben viele gern auf der Tastatur, oder in Druckschrift. Wollen sie einmal wieder ihre Handschrift ausprobieren, erteilt ihr Hirn der Hand zwar Befehle, aber sie weiß sie nicht mehr umgehend umzusetzen. Die Koordination, zwischen Hirn und Hand, ist eingerostet. Auch ein Symbol unserer Arbeitswelt.

Die Handschriften auf Karten und Briefen, die ich von Jugendlichen bekomme, zeigen das besonders deutlich. Sie offenbaren in ihrer Ungelenkheit auch, wie weit sie ihr Leben schon geformt haben. Doch der handschriftliche Brief stirbt nicht. Er pausiert. „Alles kommt mal wieder“, sagte mein Vater gern.

Fremde Briefe, oder Tagebücher – gerne auch unbefugt – zu lesen, hat mir, seit ich lesen kann, immer klammheimliche Freude gemacht. (die von meiner Schwester sorgsam, verborgenen Liebesbriefe etwa)

Unzählige Briefe habe ich selbst, seit früher Kindheit, an Freunde, Verwandte, Bekannte und „Gott und die Welt“ geschrieben. Besonders gern schrieb ich als Kind und Jugendlicher, Bettelbriefe an meine Mutter. Das ging nur gut, bis ich 27 war, da starb die Gute. Oft sagte sie zu mir: „du bist ein Sargnagel“. Ich weiß nicht, warum ich sie dafür stets herzhaft lachend umarmt habe. Auf diesen Seiten hier habe ich nur Briefe versammelt, die ich an „Prominente“ und Medien, im weitesten Sinne schrieb. Längst nicht alle, nur eine kleine Auswahl.

Eine gute Freundin schrieb mir mal: „Peter, Du bist ein begnadeter Briefesschreiber.“ Das von einer Frau, schwarz auf weiß, zu bekommen, die ihren Doktor mit summa cum laude, gebaut hat und heute in der Landesregierung von Schleswig-Holstein arbeitet, das macht mich schon stolz. Besonders, wenn ich dabei an meine Schulzensuren, in Rechtsschreibung denke. Aus diesem Lob, galt es für mich, Kapital zu schlagen – wenn mir schon sonst keiner, gegen Bezahlung, zuhören will. Ich bekam aber gute Ratschläge vor der Veröffentlichung, wie diese: „Du musst doch die Privatsphäre achten.“

Was heißt hier: Achtung vor der Privatsphäre von „Promis“? Ich darf nicht, was die Prominenten und Mächtigen dürfen, die doch von mir und durch mich, seit jeher leben? Das scheint mir, ein fadenscheiniger Respekt zu sein. Ich sage mit DDR-Mielke: „ich liebe euch doch alle“. – Ich habe leider nie Latein gelernt, höre es aber gern:

homo sum, humani nihil a me alienum puto (Seneca Ter. Haut.77) Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches acht’ ich mir fremd.

Bewunderung anderer, Demut und Stolz, Machtnähe und Machtdistanz, Zorn und Fröhlichkeit habe ich nie voneinander trennen können und wollen. Das hat mich schon als Kind verwirrt und meine Mitmenschen natürlich auch. Deshalb habe ich, seit ich in die Pupertät kam,  oft die Nähe von Prominenten gesucht.

Mit neun Jahren etwa, wo ich mit meinem besten Klassenkameraden Klaus, bei Salem über die grüne Grenze, in die DDR wollte. Wir wollten Ulbricht erklären was Frieden und Freiheit heißt. Wir hatten Glück, der Bundesgrenzschutz fing uns ab und brachte uns zurück ins Schullager Salem, zu unserem Lehrer.

Aber vor allem suchte ich, eine briefliche Antwort, auf meine Ausführungen und Fragen, die ich selten bekam. Dafür aber machte ich schöne, interessante, und auch ziemlich verheerende Erfahrungen. Ich wurde auch schon mal, aus Hochnäsigkeit, wie eine lästige Fliege, verscheucht. Von einem holsteiner SPD „Sozialminister“, wurde ich auch mal grob angepöbelt: „Die freche Schnauze aufreißen, kann jeder“. Na, ich weiß nicht, ob das wirklich jeder kann. Ich kann es, Harry Rowohlt, kann es…und der Minister offenbar auch…

Mein Informationsvorteil aber war, in meinen jungen Jahren, einen kleinen Einblick, in das Privatleben von bekannten und betuchten Persönlichkeiten und unbekannten einflussreichen Persönlichkeiten, bekommen zu haben, durch meinen Beruf als Raumausstatter, (in den besseren Gegenden Hamburgs und Sylt und später auch im Ausland) der mich sozusagen zwangsläufig in die Schlafzimmer, jener von mir „Angebeteten“, führte. Es menschelt eben, wie man in Baden sagt, wenn man auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen, Briefe schreibt.

In diesem Buch möchte ich aus vielen rechtlichen Gründen, die Antworten auf meine Briefe nicht veröffentlichen. Kommentieren will ich sie natürlich gern. Da bin ich ganz d’accord mit Jean Paul, vonwegen „Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde“. Aber manche Briefe, vertragen so wenig einen Kommentar, wie der Witz, den man zu erklären versucht. Briefe zeichnen ja weder das gesamte Bild der Schreiber, noch der Adressaten. Sie sind nun wirklich kein Beweis, „wes Geistes Kinder“ die Schreiber, oder Adressaten, während sie „die Tinte nicht halten können“, sind. Aber sie können Fingerzeige sein. Ich liebe Leserbriefe (meist die eigenen) und ich finde zumindest die Printmedien machen einen kapitalen Fehler, ihnen nicht mehr Platz einzuräumen. Aber das wird man hier noch lesen.

Viele „Berühmtheiten“ hielten es auch nicht für nötig, meine Briefe zu beantworten. Aber das ist nach meiner Erfahrung eine Krux die sich quer durch die gesamte, so genannte Prominenz, aller Lebensbereiche zieht und sich nicht nur auf mich beschschränkt.

„Berühmt sein“ und unanständig viel verdienen, wollen sie alle, aber erkannt, oder gar noch angesprochen werden, gar noch „von den Plebs“, wollen die meisten nicht. Aber es gibt die berühmten Ausnahmen von der Regel. Wie der Engländer sagt: „Sie wollen ihren Kuchen essen und gleichzeitig behalten“. Wenn ich da an die alte Garde denke, wie: Hermann Hesse, Luise Rinser, Willy Brandt, gar Adenauer und andere Schauspieler, die unzählige Briefe beantwortet haben und zu einer Zeit, da es weitgehend, noch keine Computer mit Schreibprogrammen, und kleine „Helferlein“, gab, dann sieht man den offensichtlichen „Verfall der Briefkultur“. (Jean Paul)

„Angst fressen Seele auf“, heute haben diese Leute Angst sich etwas zu vergeben, oder sie fürchten dass man ihnen „nachstellt“, um ein heute ungebräuchliches Wort zu nutzen. (heute nennt man es „Stalking“) Wie auch immer: das wollte ich eigentlich gar nicht sagen.

Korrekturen der Briefe habe ich nur vorgenommen, wenn sie orthographisch unbedingt nötig waren und den Sinn (oder auch den Spaß an meinen Fehlern, die ich allen Leserinnen und Lesern, gerne gönne) nicht entstellten. Die Auswahl der Briefe ist chronologisch geordnet.

_ _ _

Herrn Hermann Hesse                                 10. August 1960

Hotel Waldhaus

Sils Maria i. E. – Schweiz

Sehr geehrter Herr Hermann Hesse,

seit ich das Gedicht „Stufen“ das erste Mal, mit zehn Jahren von unserem Volksschullehrer hörte, wollte ich Sie kennen lernen. Doch ich traute mich nicht. Ihre Adresse habe ich…

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Über Peter A. Bruns

I am editor, autor, publisher of edition august-verlag. I am also working on the industrial construction side insulation. But my main interest is the publication of books. That sounds real, and is real, at my age, born in 1942, being a fool to blog.
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2 Antworten zu Lieber Genosse Gerhard Schröder

  1. fortylicks schreibt:

    Dieser Bericht gefällt mir besonders gut. Ja, du hast völlig recht,
    viele Menschen können überhaupt nicht mehr handschriftlich
    schreiben, das mit dem Krampf in der Hand habe ich selber auch
    schon erlebt, wenn ich lange Briefe schreibe, jetzt eher selten, es ist
    wirklich so, dass heute fast alles elektronisch abgeht.
    Besonders deine Ausführungen, wie Promis heute so mit „Fannähe“
    umgehen, finde ich sehr prägnant, darüber herrscht in der Öffent-
    lichkeit eine geteilte Meinung. Ich teile deine.
    Sei gegrüsst von fortylicks

    • eduardbruns schreibt:

      Danke für Das Kompliment. Solche Ansichten wie Deine, lassen mich hoffen und die Hoffnung stirbt ja, wie bekannt, zuletzt.
      Schönen Sonntag wünscht
      Peter

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